Geschichte
Um 1900 gingen von der in München gegründeten Internationalen Gitarristischen Vereinigung (IGV) rege Aktivitäten aus mit dem Ziel, das zuvor in Bedeutungslosigkeit geratene künstlerische Gitarrenspiel wiederzubeleben. Die Mitglieder dieser Vereinigung setzten sich zusammen aus Orchestermusikern, Liebhabern, Gitarrenlehrern, Musikverlegern und Instrumentenbauern aus ganz Deutschland, dem mitteleuropäischen Raum und Russland. In ihrem Kommunikationsorgan, der Zeitschrift „Der Gitarrefreund“ spiegelten sich die gemeinsamen Bemühungen wider: die Qualität des Spiels zu verbessern, angemessene Gitarrenliteratur und Instrumente bereitzustellen sowie Konzertmöglichkeiten zu schaffen.
Die Protagonisten griffen zunächst auf historische Gitarren des 19. Jahrhunderts aus namhaften Wiener Werkstätten zurück, beispielsweise von Johann Georg Stauffer.
Diese waren in der Klangwelt des kulturellen Schmelztiegels der späten Wiener Klassik entstanden. Maßgebliche Impulse hatte der Gitarrenbau von italienischen Instrumenten und Musikern erhalten. Auch mit dem damals hochstehenden Wiener Geigenbau gab es Verknüpfungen. In bürgerlichen Kreisen war die Gitarre als Hausmusikinstrument überaus populär, bevor sie später vom Klavier abgelöst wurde.
Für Nachbauten und Weiterentwicklungen bildeten diese Instrumente eine den Zielen der Gitarrenvereinigung adäquate Grundlage. Unter anderem entstand bald ein ‚Münchner‘ Modell mit vergrößertem Korpusumriss und weiter ausgeschnittenem Mittelbug, das dem Bedürfnis nach einem voluminöseren Klang Rechnung trug.
Zwischen 1913 und 1928 konzertierten schließlich die Virtuosen Emilio Pujol, Miguel Llobet und Andrés Segovia in Deutschland und brachten die spanischen Instrumente von Antonio de Torres und Santos Hernandez mit. Mit ihrem spätromantischen Klang und neuen klanglichen Möglichkeiten hinterließen sie bei Gitarristen und Gitarrenbauern einen enormen Eindruck. Zahlreiche Werbeanzeigen von Gitarrenbauern für ein Modell „Torres“ verdeutlichen, dass sich die spanische Gitarre auf dem Boden der etablierten Strukturen rasch in ganz Deutschland verbreitete.
Offensichtlich kritisch gesehen wurde diese Entwicklung von Hermann Hauser, der 1920 ein Patent für eine innovative Gitarrendecke erhielt. Laut der Patentschrift sollte die Konstruktion die jeweilen Nachteile der Wiener und der Spanischen Gitarren "restlos und einfach" beseitigen. Zu diesem Zweck sind ein Quersteg zwischen Schallloch und Steg sowie zwei Längsrippen kreuzförmig auf der Decke angeordnet. Dabei ist die Querleiste – anders als bei den Wiener Gitarren der Fall – nicht in den Zargen verankert und besitzt zudem eine besondere Form, welche sowohl die Bass- als auch die Diskanttöne verbessern soll.
In der folgenden langjährigen Zusammenarbeit mit Andrés Segovia konzentrierte sich Hermann Hauser jedoch auf die spanische Gitarre – eine entscheidende Weichenstellung für das Instrument. Das Potenzial seines Ansatzes blieb unausgeschöpft.
